Donnerstag, 6. Dezember 2012

Tagebuchlücken - Dezember 2.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ich heute vor zwei Jahren viel zu aufgeregt war, um mein Tagebuch zu füttern. Der 5.12. 2010 hat aber viel Platz eingenommen.
Ich bin zwar sehr vergesslich geworden in den letzten Monaten - also wirklich SEHR vergesslich - aber ich kann mich noch so genau daran erinnern. Ich weiß noch, wie die Party war, auf der wir waren, weiß noch, dass er ein  dunkelrotes Shirt anhatte. Ich weiß noch, wie er uns nach Hause gefahren hat und wie meine betrunkenen Eltern auf der Rückbank gelacht haben, weil es so glatt war, während wir uns über das Mando Diao Unplugged-Album unterhalten haben. Ich hab ihm zum Abschied ganz leise "Schlaf schön" ins Ohr geflüstert, weil ich nicht gedacht hatte, ihn noch einmal zu sehen an diesem Abend.
Meine Eltern sind sofort ins Bett. Was ich auch vor hatte, aber mein Handy sagte etwas anders.
Ich weiß bis heute nicht, warum er sich mit mir treffen wollte/getroffen hat.
Ich war wahnsinnig aufgeregt. Und bin früh morgens, gegen halb 3 noch barfuß aus dem Badfenster geklettert, damit meine Schuhe auf dem Schnee nicht knirschen - meine Eltern hätten sowieso nichts bemerkt. Ich bin sogar einen Umweg um das ganze Haus gelaufen, durch 70cm hohen Schnee, damit der Bewegungsmelder am Vorhaus nicht angeht.
Ich weiß noch, wie verwirrt wir beide waren, als wir nur uns hatten. Wir haben viel geschwiegen, wussten nichts zu sagen, haben nur der Musik gelauscht. Ich weiß noch einige Worte, die er gesagt hat. Wie er seine Hand auf mein Knie legte.

Ich weiß noch genau, dass dies der erste Moment in meinem Leben war, in dem ich Angst hatte, dass alles nur ein Traum war. Diese Angst war so komisch. Fühlte sich unreal an. Ich konnte ihn riechen, ihn hören, ihn spüren, ihn sehen - was hätte daran Traum sein sollen?
Die Zeit mit ihm war schön. Aufregend. Damals dachte ich, sie wäre der Anfang von etwas Großem.
Doch wenn ich jetzt so darauf zurück schaue, wünschte ich fast, es wäre nie passiert.
Denn nur wegen ihm, war ich so naiv und bin auf andere Kerle hereingefallen, NUR, weil ich von ihm damals loskommen wollte. Was nun mal am besten geht, wenn man sich zwingt, für etwas Neues bereit zu sein.
Aber ich wurde nur ausgenutzt. Nur verarscht. Ich war ein Spielzeug.
Deswegen wurde mir egal, was aus mir wird. Meine Gesundheit wurde mir egal und ich merkte zu spät, dass ich immer kranker wurde, was ich heute nicht mehr rückgängig machen kann.
Ich weiß, mich verstehen viele nicht. Sagen, dass ich nicht richtig geliebt habe, ich war ja erst 14.
Damals fühlte es sich aber alles echt an. Das, was ich fühlte, war wirklich groß - sonst hätte es nicht 765 Tage gedauert, bis ich endlich einen Schlussstrich ziehen konnte.
Und das nur, weil ich mich gezwungen habe, ihn los zulassen. Weil ich mich auf einen anderen konzentriert habe - und der Anfang von meinem Ende nahm einen Wendepunkt. Erst dachte ich, mein Leben würde jetzt beginnen, aber es kam alles anders und heute setzt mir genau das einen riesigen Stein in den Weg.

Es ist, als würde ein Käfer ersuchen den Ayers Rock zu verschieben.

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