Es hieß von Anfang an, wir würden laufen.
Nein wir fahren mit dem Taxi, viel zu kalt!
Wir laufen, dabei wird uns warm!
Taxi!
Laufen!
Vier von uns riefen ein Taxi, wir anderen sechs liefen die paar km durch den Winterwald. Ich lief vorne weg, in Gedanken versunken und den Schnee betrachtend, wie er im Licht der Lampe leuchtete.
Hinter mir eine junge Frau, bekannt im ganzen Ort für ihre Lache. Sie lacht viel erzählt viel und ich habe sie noch nie traurig erlebt. Sie liebt das Leben und liebt das Lachen.
Sie fing an von ihrer besten Freundin zu erzählen.
geboren mit einem schweren Herzfehler, die Ärzte verurteilten sie zum Tode, doch in der Pubertät ging es ihr besser. Sie bekam sogar die Erlaubnis ein Kind zu bekommen.
Sie war verlobt, hat eine zweijährige Tochter und - ebenfalls wie die Frau, die in den wenigen Stunden Fußmarsch hinter ihr lief, liebte sie das Leben, trotz ihrer schweren Krankheit.
Gelacht haben soll sie viel. Jeden Moment genossen haben.
Die beiden sind miteinander groß geworden, waren beste Freundinnen und im September hatte die Frau mit dem Herzfehler einen Hirnschlag und war wenige Minuten später tot.
An diesem Tag gingen die beiden reiten sie fiel einfach vom Pferd und konnte nicht mehr gerettet werden.
Einen Tag später stellten die Ärzte jeglichen Rettungsversuch ein.
Schweigen in unserer Gruppe. Die Frau weinte nicht, sie erzählte nur noch, dass sie es noch nicht fassen kann. Ich weiß nicht, was in den von Alkohol betäubten Köpfen der anderen vor sich ging, aber ich fragte mich, was die Kranke wohl an dem Tag gedacht hatte. Es war ihr letzter Tag, ob sie etwas gespürt hatte?
Meine Mitwanderer waren sich einig, dass genau das uns zeigt, dass wir jeden Moment genießen sollten, dass wir glücklich sein können, dass es uns nicht so geht.
Jeder Tag könnte unser letzter sein. Sei es wegen einem Tumor, wegen einem Virus, einem Fehler, einer Erbkrankheit oder auch nur wegen einem Unfall, an dem wir nicht einmal Schuld sind.
Wir könnten jeden Moment genießen, es könnte so einfach sein.
Aber da sind Erinnerungen, Enttäuschungen, Wut, Hass, Streit, Zweifel und so viele Emotionen, die uns daran hindern!
Was nützt schon ein Streit? Ist es nicht nur die Enttäuschung darüber, dass etwas anders gelaufen ist und so verhinder hat, dass man den Moment genießen kann?
Was nützen Selbstzweifel? Sind es nicht nur Anschuldigungen, an sich selbst, weil man sich im Wege steht?
Und was nützt Hass? Ist es nicht nur der Ärger, dass eine gewisse Person uns daran hindert, etwas zu genießen?
Insgeheim sind wir bestrebt, glücklich zu sein. Jeder von uns.
Aber wir können es nicht, weil wir es verlernt haben und weil es zu viel negative Emotionen gibt, die sich in uns entwickelt haben.
Wir sind im Stress, wir werden krank, wie sind überbelastet, wir verlieben uns in die Falschen - alles hindert uns daran, glücklich zu sein.
Konnte die Frau ihr Leben so genießen, weil sie wusste, dass sie früh sterben wird? Weil sie verstanden hat, wie kostbar das Leben sein kann?
Sie ist mit 27 Jahren gestorben und hatte gerade eine Familie aufgebaut.
Ob sie bereit war, zu gehen?
Wir standen auf einer Lichtung, sahen uns den klaren Sternenhimmel schweigend an. Eine Sternschnuppe raste durch unser Sichtfeld.
Ich frage mich, was sich die anderen gewünscht haben.
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