Vor zwei Jahren war das Wetter genau so. Schneechaos, heftiger Schneefall, eisige Kälte.
Langsam sollte ich aufhören, mir die Szenen in Erinnerung zu rufen, aber manchmal heitern sie mich auf.
Worte, an die ich mich erinnern kann.
Blicke, die ich noch vor mir sehe.
Berührungen, die ich noch genau weiß.
Aber in Zeiten wie diesen tut es nicht gut, darüber nach zu denken. Sich wieder alles in Erinnerung zu rufen, was so unverständlich ist.
Wieso wollte er damals noch mit mir allein sein, obwohl er nichts fühlte?
Weshalb hat er mich geküsst, obwohl er genau wusste, dass er damit meine Welt zerstört?
Er sah es als falsch an, jede Minute mit mir. Er hätte es viel eher beenden können,aber er hat mich schmoren lassen.
Damals ging es mir noch ganz gut. Da wusste ich nicht, wie sehr mich die Sucht nach Nähe zerstören kann.
Wenn ich ihm heute in die Augen schaue, sehe ich nicht mehr den Menschen, an dessen Schulter ich damals lag. Da ist irgendjemand anderes. Aber er ist glücklich. Und das war zeitweise das einzige, was ich wollte.
Egal, ob er mich zurücklässt, immer noch in grauer Depression, aus der ich alleine nicht mehr heraus komme.
Vor zwei Jahren hat mich die Einbildung von Liebe gewärmt, als ich hinaus in den Schneesturm stapfte um ihn für ein paar Minuten zu sehen.
Ich hatte nicht geahnt, dass er mich küssen würde. Der Tag hatte so normal angefangen und wurde zu einem der bedeutendsten meines bisherigen Lebens, auch wenn es verrückt klingen mag.
Vor zwei Jahren war ich nahe zu gesund und kam mit allem zurecht, doch damals war ich noch zu jung, um mir über meine Zukunft Sorgen machen zu müssen.
Zwar habe ich nicht den Kontakt zu ihm verloren, aber diese gewisse Freundschaft ist dahin. Ich habe ihm alles anvertrauen können,auch Monate nachdem er alles beendet hat.
Er wollte nie, dass es mir schlecht geht, vor allem nicht wegen ihm. Er wollte mir helfen und als ich anfing, meinem Körper gegenüber aggressives Verhalten zu äußern, hat er mir angedroht, es meinen Eltern zu sagen. Er hat es nie getan, wahrscheinlich weil er wusste, dass es schlimmer werden würde.
Er war mein bester Freund. Wir hatten einen Deal, er wollte mit dem Rauchen aufhören, ich dafür mit diesem Verhalten.
Ich habe es geschafft. Er auch. Dann fing er wieder an. Und ich fing wieder an. Dann hat er es geschafft. Ich nicht. Er fing an, ich hörte auf. Und das wendete sich noch einmal und hat sich bis heute nicht geändert.
Manchmal war er der einzige, der sich wirklich um mich kümmern konnte, weil er der Einzige war, dem ich alles anvertraute. Er machte sich so viele Vorwürfe, weil es mir wegen ihm so schlecht ging.
Er fragte mich heute, warum ich die letzten Wochen nicht beim Training war. Und er fragte nicht einmal nach, als ich sagte, dass es mir die letzten Wochen psychisch einfach beschissen geht.
Da wurde mir klar, dass es vorbei ist. Das besondere zwischen uns.
Aber wahrscheinlich wäre er sonst nicht glücklich geworden.
Trotzdem enttäuscht es mich ein wenig. Aber gerade weil es sich alles so auseinander gezwirbelt hat, bin ich froh, von ihm nicht mehr abhängig zu sein.
Er ist ein Teil meiner Vergangenheit, denn der, der heute in meiner Gegenwart eine Rolle spielt, ist ein ganz anderer Mensch als damals.
Ein besserer Mensch. Nur eben zu mir nicht.
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