Donnerstag, 14. Februar 2013

Ein Abenteuertag.

Auf meinem Schoß das iPad meines Schwagers, vor mir der Fernseher (natürlich mindestens genauso modern) und neben mir  mein Handy, welches einfach keine Töne von sich gibt und dessen kleines grünes Lämpchen einfach nicht blinkt. Auf dem Tisch Cornflakes, zu wenig Milch, aufgefüllt mit Wasser. Verdammt. Wir waren doch nicht einkaufen, weil wir unbedingt noch etwas Aufregendes erleben wollten.
13. Februar, jedes Jahr in Dresden ein Naziaufmarsch, jedes Jahr eine Menschenkette zu Gedenken der Bombardierung Dresdens vor 68 Jahren, die sich durch die Altstadt schlängelt, mehr als 10000 Menschen, die sich einfach ein paar Minuten an den Händen halten und so zuerst symbolisch gewaltfrei gegen den Naziaufmarsch protestieren.
Doch bevor dieser überhaupt beginnt, ist die Menschenkette schon  längst aufgelöst und die eigentliche Demonstration findet dann an einer ganz anderen Stelle statt - also den Menschen mit den Megaphonen folgen, ein paar Straßen weiter und dann noch einmal quer durch die ganze Stadt, weil der geplante Aufmarsch geändert werden musste.
800 Rechtsradikale, die hinter dem Dresdner Hauptbahnhof  ihren Weg bahnten und um die 4000 Gegendemonstranten, die sie daran hinderten, weiter in die Stadt einzudringen. Hasstiraden ,Schlachtrufe.
Schwarz-Rot-Weiße Flaggen, die in ungefähr 20 Metern Entfernung getragen wurden und erst da wird einem klar, wie nah man am Geschehen ist. Irgendwann Jubelschreie und die Einsicht, dass der erste Zugang blockiert wurde.
 Noch so viele Nachrichten im Radio, die vom erneuten Scheitern berichtet.
Die Gruppen haben sich getrennt. Die Nazis lösen sich langsam auf, doch etwa 100 sind von Punks umzingelt, die sie nicht durch lassen und gefangen halten. Die ganze Altstadt in Aufruhr, Straßenbahnen und Busse müssen riesige Umleitungen fahren oder kommen gar nicht mehr weiter, weil auf der Straße überall Menschen stehen.

Jetzt sitze ich hier auf dem Sofa herum, Schwester und Schwager schlafen oder hören immer noch Benjamin Blümchen und ich überlege, was ich jetzt mach.
Ich bin hungrig. Nach Kuscheln, Nähe, Zweisamkeit.

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