Montag, 26. November 2012

Irgendwas. Vielleicht. Eventuell.


Früher habe ich es geliebt, zum Arzt zu gehen. Hatte ich einen lockeren Milchzahn, der nur noch am seidenen Faden hing, dann wollte ich zum Zahnarzt – wollte eine Betäubung, auch wenn keine nötig gewesen wäre und vor allem wollte ich mir etwas aus dem Spielzeugkorb aussuchen, weil ich so tapfer war und nie geweint habe. Ich war wohl die Einzige, die es so sehr geliebt hat, einen Zahn gezogen zu bekommen.
Ich mochte auch meinen Hausarzt, ihm die Zunge raus zu strecken damit er meinen Hals sehen konnte und das kalte Stethoskop auf meinem Rücken. Als Kind ein Highlight.

Das hat sich geändert. Ich hasse Arztbesuche. Zum Zahnarzt zwinge ich mich gerade noch so, aber mein Hausarzt hat mich seit bestimmt 5 Jahren nicht gesehen. Das letzte Mal, als ich diese komischen Rückenschmerzen hatte, wegen denen ich nicht mehr richtig sitzen oder liegen konnte, es tat einfach alles weh. Ich habe das 9 Wochen lang ignoriert.
Im Oktober 2010 kam ich auf die saublöde Idee, vom Parkhaus in die nächste Etage runter zu springen. Unter mir Beton. Und ich komme mit nur einem Fuß auf. 6 Wochen lang war ich nicht beim Arzt, der Fuß war geschwollen, ich konnte kaum laufen und wahrscheinlich war er geprellt oder sonst etwas, aber beim Arzt war ich nie. Letztens war ich krank, 3 Wochen lang eine böse Erkältung. Nase zu, Hals gereizt, emotional sowieso immer gereizt, schwach, kraftlos, kaum gegessen, nur geschlafen – einfach krank. Ich war nicht beim Arzt.
Es gab Zeiten, da wollte ich zu einem Psychotherepeuten. Ich wollte eine objektive, erfahrene Meinung und ich wollte endlich etwas ändern. Ich habe selbst meinen Eltern davon erzählt. Ich bin nie hingegangen.
Es ist nicht so, dass ich den Ärzten nicht vertraue oder so, nein, es ist einfach die Angst davor, dass sie etwas diagnostizieren, was mich nicht mehr los lässt. Woran ich immer denken muss.
Ich will nicht, dass ich mir Sorgen um meine Gesundheit mache, ich will nicht irgendetwas Komisches in mir haben. Ich habe einfach Angst vor Diagnosen.

Irgendwann im Leben eines Mädchens kommt der Zeitpunkt, an dem sie zum Frauenarzt geht. Aus welchen Gründen auch immer. Den ersten Besuch habe ich mir schlimmer vorgestellt, doch das, was ich wollte, hatte ich in den Händen – die Pille. Mehr wollte ich von der guten Frau gar nicht.
Wie das aber nun mal ist, gibt es davon hunderte verschiedene Arten mit verschiedenen Wirkstoffen. Die, die ich hatte, war definitiv nicht die Richtige, daher musste ich sie ja auch ausprobieren. Da waren Nebenwirkungen, die nicht hätten sein dürfen. Schon allein anatomisch her nicht. Ich musste heute wieder dorthin. Habe eine neue Pille bekommen.
Und dann sah sie mich an und meinte, wenn eben diese Nebenwirkungen mit der neuen Pille nicht aufhören, muss ich mich noch einer Untersuchung unterziehen. Weil dann irgendetwas mit mir nicht stimmt.

Das wollte ich hören. Genau das. Das vielleicht irgendetwas an mir unnormal ist und vielleicht nicht richtig funktioniert. Dass etwas falsch sein könnte.
Ich habe keine Ahnung, was da falsch ist.
Ich weiß nicht, ob da überhaupt etwas falsch ist.
Ich weiß nicht einmal, was da eventuell falsch sein könnte.
Aber die Gewissheit, dass es nicht ausgeschlossen ist, macht mich jetzt schon wahnsinnig.
Mir bleibt nur das Warten und das Hoffen, so, wie immer im Leben.

Ich könnte ja auch danach googlen – aber ich glaube, laut Google, wäre ich dann sterbenskrank.

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