Mittwoch, 14. November 2012

Immer ist die Katze Schuld.

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Du siehst so toll aus!
Du bist so süß!
Du bist so sexy!
Du bist meine Traumfrau!
Du hast so einen tollen Körper! 

Und ihr seid mir scheißegal, alle die, die es sagen obwohl sie mich nie gesehen haben, obwohl sie nicht wissen, wie ich bin.
Ich sehe toll aus? Schaut mich einmal früh morgens an, ungeschminkt, zerzauste Haare, oftmals Augenringe bis zu den Knien, weil ich nicht mehr schlafen kann. 
Ich soll süß sein? Sagst du nicht mehr, wenn du mich einmal wirklich deprimiert oder wütend erlebt habt. Nicht,wenn du weißt, wie zerbrechlich und weinerlich ich bin, wie kaputt und zerfallen innerlich. Nicht, wenn ich dich anschreie und vor Verzweiflung anfange zu weinen, weil du mich nur auslachst - wenn es so weit kommt, hast du sowieso schon verloren.
Ich und sexy? Mit diesem Körper? Es gibt Schlimmeres, doch das heißt nicht, dass es bei mir gut ist. Ich hasse meine fetten Beine, ich hasse meinen Bauch, ich hasse meine Brust, ich hasse meine Hände, meine Füße und mein Kinn kann ich auch nicht leiden. 
Deine Traumfrau soll ich also sein. Du hast dir also ein Leben mit einer pessimistischen Frau vorgestellt, deren Psyche instabiler ist als eine filigrane Figur aus Kristallglas, deren Stimmung sich schneller ändert als das Wetter im April, die selbst nicht einmal weiß, wie es ihr überhaupt geht? Die alles wahnsinnig schnell wieder vergisst, was du ihr erzählst, die anhänglich und eifersüchtig ist und in der nächsten Minute einfach nur noch Freiheit und Ruhe haben will, ohne, dass du weißt, warum?  Eine, die sich selbst zwar akzeptiert aber nicht mag? Eine, die ihr Leben für so wertlos hält, dass sie es für andere ohne zu zögern opfern würde? Eine, die darüber nachgedacht hat, es einfach zu opfern, ohne jemanden dafür zu retten?
Ich soll einen tollen Körper haben...sieh noch einmal genauer hin. Siehst du die Narben? Auf der Hüfte, an den Beinen, an den Knöcheln? Siehst du jeden einzelnen weißen Strich, oder sind sie alle mittlerweile verheilt? Vielleicht verstehst du das nicht. Weißt nicht, warum ich das getan hab. Aber weißt du, ich weiß es selbst manchmal nicht, warum ich mir das angetan habe.
Alle wollten immer, dass ich aufhöre, drohten mir an, meinen Eltern davon zu erzählen. Manchmal haben sie die Schnitte gesehen.
"Was hast du da, Kind?"
"Das war die Katze."
Denn immer ist die Katze Schuld.
 ("Du" steht hier für keine einzelne Person. Nicht angesprochen fühlen./ Das Bild zeigt nicht mich. So weit wird es nie kommen. Versprochen.)

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