Mittwoch, 28. November 2012

Die Liebe ist ein Virus.

Amentiae amor - der Wahnsinn der Liebe.

 Ein Virus ist die Zwischenform zwischen Leben und Tod. Er besitzt keine Merkmale des Lebens - weder Wachstum, noch Stoffwechsel. Weder Reizbarkeit noch Individualentwicklung. So lange, bis er sich in eine Wirtszelle einnistet und dort entweder Phagen ausbildet, die sich dann im Körper ausbreiten und neue Zellen besetzen oder er baut sein genetisches Material in die DNA der Zelle ein, jede Generation von Zellen wird diesen Fehler dann durch Vererbung mit sich tragen.
Die Liebe ist wie ein Virus. Alleine lebt sie nicht, doch tot ist sie auch nicht. Sie entwickelt sich nicht, sie bewegt sich nicht und sie pflanzt sich nicht fort.
Sie entsteht einfach, besetzt unser Gehirn, wie die Tollwut. Nur endet Liebe nicht immer tödlich - doch auch das kann sie.
Hat sie erst einmal eine Zelle besetzt dauert es nur wenige Minuten, bis sie den ganzen Körper infiziert und schon ist man krank. Krank vor Liebe. Antikörper gibt es nicht. Man kann höchstens warten und die Symptome unterdrücken oder sie befriedigen. Die Sehnsucht, den Kummer, das Bedürfnis nach Nähe. Man kann sie stillen, doch wenn man die Möglichkeit nicht hat, setzt sich der Virus durch und verbreitet unerträgliche psychische Schmerzen, die man nicht auf Dauer besiegen kann.
Manche werfen sie aus der Bahn. Manche denken an Selbstmord - und andere denken nicht nur daran. Wieder andere klammern sich an der Hoffnung fest, dass man irgendwann die Chance hat, den Virus zu besänftigen, indem man die Bedürfnisse stillen kann. Andere hoffen, dass es einfach vorbei geht.
Es gibt viele Wege, sich mit einem Virus anzustecken. Doch mit der Liebe kann man niemanden anstecken, weder durch Blutaustausch, noch durch Berührung. Jeder hat diesen Virus in sich, irgendwo. Irgendwann wird er aktiv. Verschwindet. Kommt wieder. Wann er will.
Doch man kann nicht einen anderen damit anstecken, auch leider nicht demjenigen, der den Virus aktiviert hat - durch Berührungen, durch Worte, durch Gesten.
Man kann verrückt werden von der Liebe. Das wissen wir wohl alle. Man bildet sich Dinge ein, sieht mehr, als andere, interpretiert in alles einen Haufen unnötiger Dinge rein - es ist wie eine Droge, die niemand verbieten kann. Wie auch? Antikörper gibt es nicht.
Liebe bringt Gedanken mit sich. Der häufigste Gedanke ist wohl, dass man ohne diesen einen Menschen, Auslöser für den Virus, nicht mehr leben will. Man weiß vielleicht, dass es Schwachsinn ist.
Aber: "Ein Gedanke ist wie ein Virus, resistent [...]. Er kann dich aufbauen oder zerstören." (aus "Inception"(und siehst du, das ist der Beweis dafür, dass ich selbst jetzt an dich denke, weil du es so oft zu mir sagtest.)
Gedanken bekommt man nicht los. Diesen Virus bekommt man nicht los. Sie können höchstens zeitweise verschwinden.

Die Liebe ist wie ein Virus. Nistet sich ein und besetzt jede unserer Zellen.

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