Dienstag, 20. November 2012

Heut früh war alles anders.

Es ist 21:32 Uhr, morgen ist Feiertag und ich habe nichts zu tun. Mein Zimmer ist aufgeräumt, neben mir ein Rudel Duftkerzen, damit mir wenigstens ein bisschen warm wird. Aus meinen Lautsprechern weinen James Blunt, The Editors und ein paar Lieder vom NewMoon Soundtrack.
"So pretty, so smart, such a waste of her young heart...what a pity, what a shame, what`s the matter with you,man? Don't you see it's  wrong, can't you get it right? Out of sight and out of mind?" - Du sprichst mir aus der Seele, Anya Marina.
Selbst meine Eltern sind unterwegs, das Haus gehört also mir. Ich könnte mir Freundinnen einladen, aber ich bin zu schlecht gelaunt für weibliche Gesellschaft. Eigentlich will ich im Moment sowieso nur eine Person sehen. Aber das werde ich nicht.Wahrscheinlich auch die nächsten zwei Wochen nicht mehr. Irgendetwas ist immer. Es ist ein beschissener Abend. Ich könnte so viel anfangen und wenn es nur Hausaufgaben sind, oder die ersten Entwürfe für das Wandgemälde, welches ich malen soll. Aber ich fühle mich gerade nicht einmal in der Lage dazu, einen Stift halten zu können. Während meine emotionale Stabilität irgendwo zwischen "Grashalm" und "Spinnennetz" herum wabert, versuche ich noch irgendeine sinnvolle Beschäftigung zu suchen.
Könnte ja raus gehen. Vielleicht passiert ja endlich etwas Kurioses und ich bin vom Erdboden verschluckt, so dass ich nicht mehr denken muss.
Vielleicht finde ich irgendwo irgendetwas Drogenähnliches, was mein Denken stoppt. Vielleicht sollte ich auch einfach Cocktails mixen und für Silvester üben (Wird wieder ein "x-Pärchen und Antonia"-Abend).
Vielleicht sollte ich auch einfach schlafen und nicht mehr aufstehen. Einfach immer wieder einschlafen, alles andere vergessen. Schule schaffe ich eh nicht. Glücklich werde ich eh nicht. Berühmt werde ich nicht. Und gebraucht wahrscheinlich auch nicht.
Oder ich finde mich einfach mit meinem Schicksal ab, dass es mir nicht einmal zwei schöne Tage gönnt, mir immer eins rein würgen will und ein Sadist ist.
Hat doch eigentlich gut angefangen. Eigentlich...
An Tagen wie diesen, wo ich einfach nur traurig und enttäuscht bin, würde es sich wirklich lohnen, zu zocken. Zum einen, bin ich dann besser und zum anderen vergesse ich dann das, was mich traurig macht, weil ich Vollzeitablenkung habe.
Aber Papa hat ja mein Internet auf meinem PC gesperrt, jeden Tag von 20:30 Uhr bist 4:30 Uhr, außer von Freitag auf Samstag.
16 Jahre lang hatte ich keine Regeln, die mich in so einer Art einschränken außer bis ungefähr 10 meine Ausgangssperren - wenn es dunkel wurde und die Straßenlampen angehen, musste ich nach Hause. Im Sommer sollte im um 7 zu Hause sein. Damals kein Problem.
In den letzten zwei Jahren durfte ich eigentlich alles, was ich wollte, meinen Eltern war es egal, wann ich ins Bett ging und meine Hausaufgaben wollten sie nie sehen, ich sagte immer, ich hätte sie gemacht. Ich durfte so lange draußen bleiben, wie ich wollte.
Doch ich sollte nie mit Jungs etwas machen. Nie bei einem übernachten, mit nach Hause bringen, nirgendwo mit einem hingehen
Doch ich hab ihnen einfach nichts davon erzählt.
Aber ich will meinen Papa nicht ins kalte Wasser springen lassen und ihm irgendwann sagen, dass ich vergeben bin - was eh nie passieren wird. Das ist der Grund, warum ich frage, ob mein Herzkerl vorbei kommen darf. Warum ich ihm sage, dass er mir wirklich wichtig ist, wobei ich vor meinem Vater sonst nie so etwas sage, was auch nur annähernd mit Gefühlen zu tun hat.
Ich glaube auch, er hat es langsam verstanden, aber vielleicht hätte er sich ja auch nicht einmal an den Gedanken gewöhnen müssen,
Aus meinem Kleiderschrank kam gerade meine Katze gesprungen. Keine Ahnung, warum sie dort war, seit wann oder wie sie überhaupt in mein Zimmer gekommen ist.
Normalerweise liegt sie in meinem Bett und fusselt dort alles voll, weshalb ich es immer frisch beziehe, wenn auch nur die winzige Möglichkeit besteht, dass mein Herzkerl vorbei kommt.
Heute legt sie sich sogar auf ihre Katzendecke, die immer auf meinem Bett liegt.
Jetzt hab ich immerhin die Katze, die mit mir kuschelt.

Mittlerweile ist es 22:07 Uhr. Ich glaube, ich schlafe.

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