Natürlich wird es schwerer, in der Sekundarstufe II. Hätte man mir von Anfang an gesagt, wie schwer es wird, hätte ich mich gegen das Gymnasium entschieden. Ich war eigentlich immer eine gute Schülerin gewesen, mein Durchschnitt lag immer um 2,2 ungefähr, doch dieses Jahr fängt schlecht an,dabei werden wir anfangs noch verschont.
Latein unterpunktet. Deutsch unterpunktet. Geschichte unterpunktet. Mathe gerade so geschafft. Und alle anderen Fächer stehen irgendwo bei 3-4.
Meine Motivation ist mit dem Ehrgeiz durchgebrannt, irgendwo liegen sie betrunken in einer dunklen Straße und krepieren dort allmählich. Ich verstehe den Stoff einfach nicht, ich will ihn gar nicht verstehen, weil ich ihn sowieso nicht mehr brauche. Ich habe keine Lust mehr darauf. Kann mich nicht konzentrieren und fühle mich schlecht, wenn ich sehe, dass andere überall 12, 13 oder sogar 15 Punkte haben. Das Jahr fängt gerade erst richtig an. Doch leichter wird es nicht, es kommt immer mehr dazu und wenn mein Leben so weiter verläuft, wird daraus sowieso nichts. Es ist wie vor zwei Jahren, da war die Situation so ähnlich. Allmählich kamen die Depressionen, das Selbst-Bestrafen indem ich nicht mehr schlief, nicht mehr aß, irgendwelche Tabletten nahm, in der Hoffnung, davon würde mir schlecht werden oder sonst etwas. Ich bin seitdem nicht unbedingt stärker geworden, im Gegenteil. Ich habe nicht einmal mehr die Kraft, mich wach zu halten oder mir zu sagen, dass ich jetzt nichts esse, die Antipathie auf Tabletten ist größer geworden, was wohl auch gut so ist.
Ich bin schwächer geworden, weil ich dem Drang, den ich nie in Erwägung ziehen wollte, oft nicht widerstehen kann.
Was mit mir nicht stimmt, weiß ich nicht. Die Stimmungsschwankungen nerven mich, vor allem, weil kaum positive Gefühle dabei sind.
Wut. Enttäuschung. Traurigkeit. Zweifel. Ungewissheit. Und zwischendurch bin ich einfach nur anhänglich und liebesbedürftig, bleibe damit jedoch allein.
Es ist wie vor zwei Jahren, zu der Zeit habe ich mich allein gefühlt, weil der, der für meine Konzentrationsschwäche verantwortlich war, nicht mehr da war. Er ließ mich einfach allein und ich wollte irgendwie weg. Von allem weg, jeden zurück lassen.
Es ist schon wieder zwei Jahre her, alles, was dazwischen passiert ist, fühlt sich an, als wären es viele Leben gewesen, weil ich mich nicht mehr lebendig gefühlt hatte und es nicht mehr sein wollte.
Es geht mittlerweile. Ich weiß, dass ich nicht einfach gehen kann, den menschen zuliebe, die ich jeden Tag sehe, mit denen ich jeden Tag schreibe, die mich kennen, die mich mögen.
Selbstmord ist egoistisch. Weil man nicht bedenkt, was man hinterlässt und was man mit nimmt. Man weiß nicht, was man anderen antut, sie nehmen die Schuld auf sich, weil sie denken, sie hätten es verhindern können. Und egoistisch bin ich nicht.
Viel mehr würde ich lieber ein neues Leben anfangen, nur ein paar Menschen mitnehmen, irgendwo neu starten, wo man mich nicht kennt.
Ich schweife vom Thema ab.
Eigentlich müsste ich für die Geschichtsklausur lernen, doch die Motivation bleibt weg. Es würde sowieso nichts bringen,sagt die Prokrastination. Und interessant ist es auch nicht. Stattdessen male ich meine Wand voll. Schreibe mit blutroter Farbe und meinen Fingern daran:
"Welcome to the world where dreams become nightmares"
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