Er meint, ich sei bisher sein Liebling, von alle denen, die er in den letzten Monaten bei sich hatte, und das waren einige, so wie ich ihn kenne. Ich dachte immer, er sieht die Menschen, die er neben sich sitzen hat nicht, sondern sieht nur deren Hüllen und trauert ihnen nicht nach, kümmert sich nicht um sie, wenn sie dann weg sind. Daran glaubt man nicht, wenn man neben ihm sitzt. Er ist ansteckend, mit seinem Optimismus, seiner verrückten, aggressiven Art. Er bringt einen zum Lachen, er lässt einen alles andere vergessen, weil er einen um den Finger wickelt und in seinen Bann zieht - sich diesem zu entziehen fällt schwer. Er erweckt den Drang, ihn zu zähmen, zur Ruhe zu bringen aber das schafft man nicht so einfach.
Die Zeit mit ihm war aufregend, doch es war nicht das, was mich lange hätte glücklich machen können. Als ich dem ein Ende gesetzt habe, dachte ich, wir hören nie wieder was voneinander. Ich dachte, er würde sich niemals bei mir melden, weil er sich einfach andere sucht.
Aber nach einer Woche schrieb er mir. Fragte, ob alles okay ist, wie es mir geht. Er erzählte mir, dass er wieder zwei neue hat und noch dazu etwas mit einer Freundin von mir angefangen hat. Ich bin ihm nicht böse, dass er auch die nicht auslässt, aber ihr bin ich böse, weil ich sie gewarnt hatte. Er hat nur ein Ziel, wenn er ein Mädchen kennen lernt und er kommt an sein Ziel. Irgendwann sieht man sich selbst als Objekt. Und das ist ungesund, er kann einen wahnsinnig machen, schafft es, dass man sich schlecht fühlt und wenn man weiß, man ist eine von Vielen, ist das nicht gut für die Psyche. Sie war die Einzige, die bei mir war, als ich wegen ihm geweint habe, schrecklich geweint, weil ich dachte es sei alles vorbei. Damals war ich verliebt in ihn. Ich wollte ihn irgendwie an mich binden, was ich jedoch nie geschafft hätte. Sie tröstete mich, sagte, dass er ein Arschloch sei und hat mich in den Arm genommen, mich von der Straße gezogen, als ich nicht zur Seite gegangen bin, als irgendjemand viel zu schnell und mit lauter Musik an mir vorbei fuhr.
"Das hätte er sein können!" schluchzte ich und sie nahm mich wieder in den Arm. Sie hat gesehen, was er mit einem anstellt. Mir wäre es egal gewesen, wenn dieser Typ, der an mir vorbeigefahren ist, mich überfahren hätte. Mir war das alles scheiß egal.
Sie hat sich trotzdem mit ihm getroffen und das von ihm zu erfahren war komisch. Ich dachte, er will mich verarschen, doch es stellte sich als wahr heraus, was sie zuerst abstritt.
Gestern hat er mir wieder geschrieben. Hat mich gebeten noch ein letzte Mal, wenigstens einmal noch, zu ihm zu kommen, weil er einsam ist und ich von allen die Liebste sei. Ich sei ihm am sympathischsten.
Auf die Frage, warum er nicht eine der anderen zu sich holt, antwortete er, dass er keine Lust auf die anderen hätte. Manchmal, ist es komisch, dass er gerade mich bevorzugt, das war schon so, als wir noch zusammen Zeit verbrachten.
Wie vielen wird er das gesagt haben, dass sie etwas Besonderes sind? Und dass es mit ihnen am meisten Spaß macht, er sie am liebsten hat?
Er ist ein ehrlicher Mensch. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er nur einer das sagt, er wird allen das Gleiche sagen und denen, die gegangen sind, erzählt er, wie die anderen wirklich waren.
Ich habe mich nie dafür interessiert,was er mit denen macht, die ihm den Rücken zuwenden und gehen.
Jetzt bin ich eine von denen und weiß, dass er sie nicht gleich gehen lässt, er versucht sie umzustimmen - doch eigentlich wäre es mir fast lieber, er würde mich gehen lassen.
Und wieder habe ich einen Post über ihn geschrieben. Ich dachte, er wäre raus aus meinem Leben, aber jetzt ist er zur Hauptperson eines Konfliktes geworden.
Ich weiß nicht, was sie ihm schreibt. Aber ich hoffe, sie beschuldigt ihn nicht für Dinge, die er nicht getan hat.
Denn das hätte selbst er nicht verdient.
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