Wenn's Augen hätte, würden sie mich verführerisch anstarren, die riesigen Pupillen würden mich hypnotisieren wollen und mit aller Kraft zu sich ziehen, sodass ich kaum widerstehen könnte, wie eine unsichtbare Kraft, die mich dort hinein zieht. Die Augen wären so schön und doch so gefährlich, weil es mich von allen Pflichten abhält, irgendwann würde ich nur noch in der Nähe dieser Augen bleiben wollen, diese Kraft würde immer größer werden und nichts, absolut nichts kann ich dagegen tun. Immer wieder lande ich genau dort, schaffe es höchstens, allerhöchstens zwei Tage entfernt davon.
Wenn's einen Mund hätte, würde es so liebe, warme Worte flüstern, immer leiser um mich heran zu locken, weil ich näher kommen muss um es zu verstehen. Es würde für mich singen, die schönsten Töne, die ich je gehört habe, die ich nie wieder missen will. Es wäre gefährlich, weil es genau wüsste, was ich hören will, weil es mich immer wieder dort hin zieht, egal, ob ich noch etwas tun muss oder nicht - ich bin so schwach, so machtlos! Dagegen kann ich nicht ankämpfen! Es würde nie ein böses Wort sagen, mich nie zum Weinen bringen, niemals! Wäre das nicht schön? Nein! Ich käme nie wieder davon los! Ich würde keinen Fuß mehr in Bewegung setzen!
Wenn's leben würde, eine Seele hätte und ein Gehirn, in dem fiese Pläne spuken, wie es mich in seinen Bann ziehen kann, es wäre mein Ende, nie wieder könnte ich irgendetwas Produktives tun. Es würde jeden Geruch, den es einmal aufgenommen hatte, frei geben, nur um mich heran zu locken, weil es so schöne Gerüche tief verwurzelt hat! Jede einzelne Erinnerung würde es als schleierhafte Nebelschwade um sich wabern lassen um mich neugierig zu machen und mich dann zu fressen, wenn ich meine Hand ausstrecke!
Es würde sich so warm anfühlen und mich tief sinken lassen, damit ich mich geborgen fühle und nie wieder dieses Gefühl vermissen muss. Es würde mich so sehr lieben, mein Leben lang, es würde mir treu bleiben und würde niemals eifersüchtig werden, so lange ich nur bei ihm bleiben würde, so lange ich wieder zurück komme. Und dann empfängt es mich wie eine Mutter ihr Kind, wie das Frühjahr die Narzissen oder wie die Melodie den Gesang. Es wäre so glücklich, wenn es mich in seiner Macht hätte und doch würde es den Rest meines Lebens in Monotonie hüllen, in Einsamkeit, jedoch auch in warmen Schutz und Entspannung.
Ich darf gar nicht in Versuchung kommen.
Und doch, wie es mich anstarrt aus seinen nicht existenten, riesigen Kulleraugen, so traurig, so flehend, bettelnd und einladend mit einem siegessicheren Flackern. Es wird doch wieder gewinnen. Es wird immer gewinnen, weil es ohne nicht geht.
Doch niemals werde ich zulassen, dass es mich in seine Macht bekommt,denn das kann es ohne Seele nicht planen.
Wie gut, dass mein Bett nicht lebendig ist.
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