Seelenruhig schlafen, nichts denken, spüren, dass alles gut ist und du keine Sorgen hast - bis dich etwas aus dem Schlaf reißt. Wieder verschlafen. Anklagende Blicke vom Vater, weil man immer noch im Bett liegt. Blicke durch das Zimmer, unaufgeräumt, einengend, böse lachend, weil es einen fangen kann. Blicke auf die Uhr, die dir noch eine halbe Stunde Zeit lässt, bis du dich deiner persönlichen Hölle stellen musst.
Du hast weder deine Tasche gepackt, noch hast du einen Plan davon, was du anziehen sollst. Ein Blick auf's Handy - keine Nachricht. Ungewissheit, Enttäuschung,Wut, weil du dir wieder Dinge einredest, die gar nicht passiert sind. Aber das wusstest du ja da noch nicht. Es zerfrisst dich von innen, auf der Haut sichtbar als dünne, feine Kratzer, für dich unbedeutend, für andere ein Zeichen von Schwäche, Dummheit, ein Grund zum verachten. Ein wenig Ignoranz darüber streuen, nicht mehr darüber nachdenken, das Brennen einfach ignorieren. Ein Blick in den Spiegel - hättest du lieber lassen sollen. Deine Augen ganz wässrig und rot. Hast du geweint in der Nacht? Ja. Jetzt erinnerst du dich wieder. An den gestrigen Abend, der sich lange hinzog und dir nur wenige Stunden Schlaf versprach. Alles im Schnelldurchlauf, heute keine Maske aus Make-Up, das dir ein wenig Leuchten in die Augen zaubert, heute bist du verletzlich - du siehst nicht nur so aus, du bist es auch und am Liebsten würdest du weiter schlafen - vielleicht für immer. Im Schlaf, da stört dich nichts. Da merkst du nicht, wie du alles kaputt machst,auch wenn du nur kämpfen willst.
Stundenlanges Schweigen. Willst nicht reden, sitzt allein im Unterricht, hast mit der Müdigkeit zu kämpfen, die gestern Nacht von der Wut gebremst wurde. Du willst einfach nur nach Hause, willst dich schonen, auskurieren,stark werden. Acht Stunden Schule.
Der quälende Versuch Mathe zu verstehen, doch jeder Ansatz nimmt ein schlechtes Ende - das kennst du doch. Alles, was anfangs gut aussieht, endet im Schlechten. Es war bisher immer so. Es kann jetzt wieder so werden - doch besteht die Hoffnung, dass er den Teufelskreis durch brechen kann. Ich wünsche es mir. Mehr nicht. Ich will raus.
Mathe verstehst du nicht. Egal, wie oft die Aufgabe schon dran kam, du kannst dich nicht erinnern, so etwas jemals gesehen, geschweige denn berechnet zu haben. Übelkeit überkommt dich, du weißt nicht woher.
Was für ein Tag. Siehst auf deine Lateinkontrolle, siehst eine 4 - doch eine 4 wäre ja okay. Nur eben nicht, wenn es nur 4 Punkte sind. Durchgefallen. Nicht bestanden. Ungenügend. Unterpunktet. Du bist demotiviert. Willst am liebsten sofort die Schule hinter dir lassen, etwas Sinnvolles machen. Wo ist der Drang, die Schule zu schaffen? Hast du längst verloren. Du hast dich längst verloren, bist dir wieder unwichtig geworden.
Wofür lebst du? Das weißt du nicht.
Du hättest zum Training gehen sollen, fühlst dich aber kraftlos, müde, ausgelaugt, leer gesaugt, innerlich kaputt. Gestern ging es. Heute nicht. Irgendetwas wirft dich aus der Bahn, wohl die Wut, die Enttäuschung, die Sehnsucht, das ganze Chaos. Du findest keine klaren Gedanken und fragst dich, warum es dir eigentlich wieder so scheiße geht. Es geht doch, wenn du nicht allein bist. Doch das bist du jetzt, blickst dir ständig irgendwo in die Augen, siehst, was du fühlst, was nur du weißt und du fragst dich, wie lange das so bleibt. Dieser Zustand. Wann es wieder gut wird. Ob es gut wird.
Du solltest Schlafen. Doch du kannst nicht, willst nicht, weil es dir gut tun würde. Das hast du heute nicht verdient, weil du dich selbst fertig machst, weil du an dir zweifelst und dich heute furchtbar hässlich fühlst.
Mittlerweile hast du doch eingesehen, dass du das gar nicht mal so sehr bist. Aber heute ist alles anders.
Heute, ist ein scheiße Tag.
Heute wurde ein Traum zum absoluten Albtraum.
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