Was ist schon wieder aus dir geworden?
Du stehst einfach da, irgendwo im Regen, wartest auf Rückenwind, der dich irgendwie vorwärts bringt und bist gelähmt. Jede Muskelfaser weigert sich, dich einen kleinen Schritt nach vorn zu bringen. Wochenlang schon. Du bist ein paar Schritte zurück gegangen, vielleicht war das gut, aber vielleicht hättest du es doch nicht beenden sollen. Wer weiß. Du wirst es nicht wieder aufleben lassen. Du musst stark sein. Um dich herum ist nichts, nur schwarze, kühle Nacht. Du weißt, dass du fallen würdest, wenn du weiter nach vorn gehen würdest, aber es würde dir nur weh tun - dich nicht befreien. Außerdem steht da irgendwo ein Blumenkübel. Die armen Pflanzen. Wären abgeknickt.Müssten sich die Mühe erneut machen und neue Blätter wachsen lassen, deren einzige Sorge. Die kümmern sich nicht darum, was in der Welt geschieht. Die haben nicht solche Probleme.
Und dann stehst du einfach da und wartest immer noch auf Rückenwind. Auf eine helfende Hand, die dir alles leichter macht, aber meine Hände bleiben leer. Ich weiß, dass um mich herum Menschen sind. Die mir ihre Hand reichen würden, wenn ich falle. Aber noch stehe ich und warte auf diese eine Hand, die noch weiter in die Ferne rückte.
Wer bist du geworden? Schau dich an. Wieder vernachlässigst du dich selbst. Achtest nicht darauf, was du isst. Stehst unter Strom, und die Haut, schau dir doch einmal deine Haut an. Selbst dafür nimmst du Tabletten. Du hasst Tabletten, in jeglicher Form. Einmal wolltest du Schlaftabletten schlucken. Hast Briefe geschrieben, das war lange her, doch egal, sie wirkten nicht. Seitdem meidest du Tabletten. Und jetzt, sogar wegen ein paar Kopfschmerzen. Tagelang Kopfschmerzen. Aber sie sind nur für die Haut. Die Schlaftabletten hast du ewig nicht mehr gesehen, irgendwo verschollen.
Du siehst traurig aus im Spiegel. Oh man, bist das wirklich du? Was hat dich so verändert...alle sagten es, dass ich anders geworden bin und jetzt siehst du das.
Für andere siehst du vielleicht fröhlicher aus, erwachsener, einfach anders. Aber du siehst dich auch von innen. Weißt, was du denkst und siehst, dass du nur noch zerbrechlicher geworden bist.
Die letzten Wochen waren seltsam. Hast dich innerlich immer mehr von dem verabschiedet, der dich in so kurzer Zeit glücklich gemacht hat, dir so viel Selbstvertrauen geschenkt hat und der dich ein bisschen optimistisch gemacht hast. Jetzt ist er weg. Und du scheinst doch wieder allein zu sein, was du verhindern wolltest. Wirst du fallen? Nein. Du könntest zurück gehen, wenn dich dein einziger Halt, an dem du dich fest klammerst, auch noch verlässt. Aber das wird er doch nicht...oder? Du weißt es nicht. Die Ungewissheit macht dich verletzlich.
Plötzlich stehst du da und bist todtraurig. Weißt nicht einmal warum. Alle versuchen dir zu helfen, doch irgendwo ist da immer noch eine Mauer, die niemand durch bricht. Wieder hasst du dich ein bisschen für das, was du bist, weil du dich selbst und alles um dich herum immer wieder kaputt machst. Vielleicht bist du nicht Schuld, aber du redest dir immer, wirklich immer, ein schlechtes Gewissen ein. Egal, ob du etwas getan hast.
Du machst dir immer viel zu viele Sorgen.
Aber hey, wieso überhaupt? Andere haben das Abitur auch geschafft. Andere haben auch erst spät einen festen Freund gefunden. Andere haben sich auch wieder mit ihren Vätern vertragen. Andere haben auch spät erst gemerkt, dass sie gar nicht so scheiße sind.
Du warst doch irgendwann einmal selbst dieser Meinung!? Nur ein einziger Fehler wirft dich aus der Bahn. Dabei hast du nichts getan, schiebst dir aber die Schuld zu. Super gemacht. Das brauchst du jetzt auch.
Als wüsstest du nicht, dass du wieder zu sentimental wirst und wegen jeder toten Fliege anfängst zu weinen, wegen jeder umgeknickten Blume und wegen jedem schiefen Blick.
Ich glaube, das wird eine schwierige Woche. Du brauchst Ferien, das sieht man an deinen Augenringen. Und an deiner schlechten haut, man merkt es an deinen Stimmungsschwankungen und überhaupt - du fühlst dich einfach nur wie ausgekotzt und noch einmal verdaut.
Du fühlst dich scheiße. und den Gedanken, dass du es bist, schiebst du mit aller kraft bei Seite.
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