Montag, 11. Juni 2012

Manchmal.

Manchmal, wenn ich an Vergangenes denke, dunkelgraue und schleierhafte Gedanken und doch in einzelnen Aspekten so klar, dass sie mir erscheinen, als seien sie erst vor wenigen Stunden von statten gegangen, dann halte ich meine Arme, kraftlos wie sie mittlerweile sind, um mich geklammert, damit mein scheinbar hohler Körper nicht auseinander bricht und damit meine Lunge, die keuchend nach Luft schnappt, nach jeder Anstrengung, weil ich einfach zu kraftlos bin,nicht zerfetzt wird von dem Vakuum in meinem Körper, welches da ist und doch auch nicht, weil es anatomisch doch nicht möglich ist - und doch fühlt es sich so an, als wäre da nichts in der Hülle, die meine Haut bildet, nichts als die bloße nebelige Erinnerung, die in dicken, undurchdringlichen Schwaden durch mich hindurchzieht und eine leise Spur von Kälte mitbringt, woher sie die auch immer hat, vielleicht aus dem eisigen Winter, in dem sie entstanden ist?
Und manchmal ist es auch so, dass ich ganz plötzlich ein klein wenig lächeln muss, weil vor meinem inneren Auge, welches stetig salzige Tränen weint, die es krampfhaft versucht weg zu blinzeln, ein Bild davon entsteht, wie sich deine zarten, dunkel rosa Lippen zu einem Lächeln formen nur für mich bestimmt und nur von mir gesehen und doch sehe ich viel zu schnell wieder ein, dass die Vergangenheit kein Teil der Realität ist, sie sind zwei vollkommen verschiedene Individuen - wenn man sie denn so bezeichnen würde, wäre die Realität der sadistische Teil, während die Vergangenheit lieber in Träumen versinkt und trauend sich selbst hinterher blickt, der Vergangenheit - und das Lächeln auf meinen Lippen verschwindet, weil du schon lange nicht mehr nur für mich gelächelt hast, du siehst mich ja schon kaum noch an, als könntest du es nicht ertragen, mich so zu leiden zu sehen und zu wissen,dass du daran Schuld bist - wenn du es überhaupt weißt.
Manchmal glaube ich nicht mehr daran, dass deine Erinnerung so komplex ist, dass du dich an die kleinen, feinen Details erinnern kannst, die die Zeit, die wenigen Stunden, die wir miteinander verbracht haben, so wunderbar und einzigartig gemacht haben, warum solltest du dich auch erinnern können, wenn es für dich nichts besonderes war, schließlich könntest du diese Zeit jeden tag viel intensiver und im Schnelldurchlauf durchleben, doch du vergisst, dass das, was wir hatten, nicht das war, was du wieder mit anderen haben kannst, denn es war Liebe dabei,aufrichtige Liebe, die auch heute noch lebt und doch endlich - endlich!- welk wird, denn das lebensnotwendige Wasser ist verbraucht und aufgesaugt, aus den Blütenblättern, dunkelrot waren sie einst und jetzt mit einer braunen Farbe, nur noch von roten Streifen durchzogen, ist das Wasser verdunstet und doch befürchte ich, dass die Blume, Liebe genannt, gegossen wird, denn sie hat die Kraft, die ich nicht mehr habe, sie hat sie mir ausgesaugt, die Kraft, die ihr dazu verhilft, wieder zu neuem Leben zu erwecken, sobald sie Wasser bekommt,und dann blüht sie wieder eine ganze Weile und ich liebe dich wieder wie am ersten tag und genauso vermisse ich dich aber auch wie am ersten Tag und schlimmer noch - es bleibt kein Vermissen, es schwillt zu etwas größerem, einem schwereren Gefühl, welches mir die Luft zum Atmen nimmt, die ich doch so dringend bräuchte, es ist das schlimmste aller Gefühle, meiner Meinung nach, es ist der Inbegriff der Sehnsucht, lässt mich still stehen und langsam sterben, weil es so abartig schmerzhaft ist, denn:

Du fehlst mir.

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