Seine Augen blicken in die Ferne, ein bisschen feucht, durch die Erinnerungen, die in ihm wie schwere Fäden wabern und sich durch die Gehirnwindungen drehen, als wollten sie heraus gelangen. Sensibel ist er.
Er scharrt mit dem Schuh im Schnee, die Hand in die Hosentasche gesteckt, in der anderen eine Zigarette. Ich rede nicht oft mit ihm. Er redet mehr mit Gleichaltrigen. Nicht mit Mädchen, die gerade einmal sechzehn geworden sind. Doch heute schüttet er mir sein Herz aus, offenbart seine Gedanken und Gefühle und wirft sie vor mich. Er quält sich durch den Tag. An den Frauen liegt es, sagt er immer wieder. Er liebt zu sehr, sie spielt zu sehr.
Sie denken alle, er wäre kalt, würde so etwas nicht an sich heranlassen. Er wirkt nie traurig, er wirkt gelassen. Cool. Lässig. Aber in diesen wenigen Stunden, in denen wir allein sind und reden können, bröckelt seine Fassade und lässt mich dahinter schauen. Ein so weicher Kern, so zartfühlend, so hilflos und so traurig.
Er tut mir unendlich Leid.
Ich habe mich nie sehr mit ihm verbunden gefühlt, aber das hat sich schnell geändert. Gleiche Erfahrungen, gleiche Ansichten und ich will jetzt wieder bei ihm sein. Wieder mit ihm reden, ihm zuhören. Ich will ihm helfen. Doch seine Situation scheint aussichtslos.
Er ist nicht die Person, die er scheint, ganz im Gegenteil.
Ich frage mich, wie viele Menschen von dem wissen, wovon er mir erzählt hat.
Ich frage mich, wie viele davon sich Sorgen um ihn machen und manches Mal an ihn denken und sich wünschen, dass es ihm besser geht.
Es war ein trauriger Anblick, dieser erwachsene Mann mit dem schwarzen, kurzen Haar und dem schicken Anzug. Alleine ging er durch den Schnee, er hat getrunken, schwankte allerdings noch nicht sehr.
Wahrscheinlich dachte er in diesem Moment an sie. Und fragte sich, wie er das überstehen soll.
Ich denke an ihn, in diesem Moment. Frage mich, ob er gerade wieder an sie denkt und was er dabei fühlt.
Ich wünschte, es ginge ihm gut. Oder wenigstens besser.
Er hat es verdient, denn er ist ein guter Mensch.
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