Sonntag, 12. Januar 2014

Von Sehnsuchtsdämonen.

Früher war mehr so "Ein-Schnitt-dann-ein-Atemzug-und-plötzlich-wieder-ein-wenig-Gefühl", aber ich weiß, dass das nicht mehr geht. Nicht, weil ich mich nicht traue, oder weil ich mir das nicht mehr antun möchte - sondern weil ich immer noch nicht weiß, ob mein Freund davon weiß und ob er weiß, woher diese Narben kommen könnten. Ich bin mir sicher, dass er damit nicht umgehen kann, er würde mir sagen, ich solle einfach damit aufhören.
Aber wie war das noch mit den Süchten? Egal ob Bulimie oder Magersucht, ob Alkoholismus, Kaufsucht oder Drogensucht - du weißt, dass du etwas brauchst. Irgendetwas, was dich kaputt macht und was für dich unersetzbar erscheint. Welcher Abhängige würde einen essentiellen Lebensinhalt weg werfen, weil andere das sagen, die sich ja nicht einmal in diese Lage versetzen können?

Doch ich bin nicht nur einfach eine Süchtige gewesen, die blind auf ihre Triebe gehört hat. Ich wollte nie jemanden verletzten und habe alles versteckt, doch jetzt ist da dieser Mann, dem ich diesen Teil meiner Vergangenheit einfach verschweigen möchte. Zumindest noch. Auch, wenn ich mich so oft danach sehne, diese ausströmende Leere zu spüren und endlich klare Gedanken denken zu können, ruhig einzuschlafen und mich am nächsten Morgen versuchen zu erinnern, was passiert war.
Früher konnte ich weinen, zusammen brechen, mir dann eine Klinge suchen, um mich zu beruhigen, die Wunden verarzten und friedlich einschlafen.
Werde ich jetzt mit Situationen konfrontiert, die mich einfach gnadenlos überfordern - und das passiert durch Abiturstress, Fahrschule, Zukunftsängsten und Vergangenheitsfetzen ziemlich häufig - dann bleibt mir nichts übrig außer zusammen zu brechen, versuchen meine Muskeln so extrem anzuspannen, dass ich irgendwie ein Gefühl von körperlicher Erschöpfung verspüre, um dann mit Kopfschmerzen vom Weinen einzuschlafen.
Es wären nur so wenige Schnittte, die für mich so viel bedeuten könnten und die für Andere aussehen als seien sie der Vorbote des Todes. Vielleicht würde ich das auch so sehen, wenn ich nicht wüsste, wie es sich anfühlt. Aber ich weiß es....und wünschte mir, etwas zu haben, was mir dieses Gefühl wieder gibt.
Dieser schier grenzenlose Stress, dem ich ausgesetzt bin, staut sich in meinem Körper an, irgendwann platze ich einfach nur, weil ich mich selbst enttäusche und niemandem mehr gerecht werden kann.

Diese gemeine Sehnsucht ist wie ein Dämon, der sich  durch meine Venen frisst und an allen Stellen kratzt, um mich schwach zu machen. Doch die Liebe zu diesem einen Mann ist stark genug, der Versuchung stand zu halten...weshalb ich mich jeden Tag auf's Neue frage:

"Was passiert, wenn ich diesen Anker in diesem Meer verliere und haltlos in der Flut aus Sehnsucht treibe?"


"Doch sie liebte die Klinge,
liegt in der Klinge
keiner würde sie je verstehen, 
ihre Liebe zur Klinge
Sie geht ein Schritt weiter
ein Schnitt weiter
der beste Freund liegt ein Griff weiter"

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen