Ich habe gestern mein altes Tagebuch gelesen, welches ich 2010/2011 geschrieben habe, also mit 14/15 Jahren. Neben vielen Einträgen, die mir so peinlich waren, dass ich sie nicht einmal meinen beiden besten Freundinnen zeigen würde, war es für mich doch sehr erschreckend, was ich damals überhaupt durch gemacht habe. Das war eine reine Teenagerhölle, nicht nur so ein bisschen Liebeskummer, ich war richtig abhängig von einem Mann, von dem ich immer glaubte er sei ein guter Kerl und vor alle ein guter Freund.
Aber erst vier Jahre später fällt mir auf, wie sehr er mich verarscht und ausgenutzt hat und wie fertig mich seine Spiele gemacht haben...bis heute. Ich habe mich bis heute nicht davon erholt, weil ein Verlangen immer wieder in mir aufkommt und der Grund dafür ist, warum ich meine Haut so oft verstecke. Und es ist faszinierend, wie sich diese klitzekleinen Katastrophen von damals, heute zu größeren Problemen gesteigert haben.
Ich habe damals bei so vielen Menschen nach Hilfe gesucht, weil ich mit mir und all den Veränderungen und der nicht sterben wollenden Hoffnung in mir, einfach verzweifelt war.
Aber da waren irgendwie nur drei Menschen, denen ich mich öffnen konnte und die mir geholfen haben, alle anderen haben es nicht verstanden oder haben mich abgewiesen oder gar das Thema gewechselt...ist das wohl der Grund, warum ich mir heute nicht helfen lasse, wenn es um solchen Gefühlskram geht oder um mein psychisches Befinden?
Hundert Mal wurde mir später gesagt, ich soll zu einem Arzt gehen, hunderte Male wurde mir gesagt, ich soll nicht mehr zur Klinge greifen und einfach mal mit Freunden weg gehen, aber ich hab's nie getan. Die Hilfe kam zu spät. Und heute rede ich mit kaum jemandem mehr darüber, wie sich das alles weiter entwickelt hat, weil ich sowieso keine Hilfe möchte und reden für mich keine Hilfe ist.
Ich stand so nah am Abgrund, habe mich weit von ihm entfernt, um dann doch um zu drehen.
Damals war ich so depressiv und hatte meine Gefühle in keinster Weise unter Kontrolle, ich bin ständig in Tränen ausgebrochen, wie konnte das denn monatelang kaum jemand bemerken?
Dass es heute keiner merkt, ist klar, ich hab mich an die Gute-Laune-Maske zu sehr gewöhnt.
Aber beinahe jeder dritte Eintrag in dem Tagebuch handelt von dem Wunsch zu sterben, weil ich abhängig von einem Menschen war, der die miesesten Spiele gespielt hat, doch nur schlechte Absichten hatte und der dann irgendwann zur Vernunft gekommen ist, dass es einfach nicht okay ist,was da geschah.
Viele werden sicher denken:"Ja klar, wie soll eine 14jährige wissen, was Liebe/verliebt sein ist?", aber denkt auch daran, wie ihr euch damals vielleicht gefühlt habt... ich dachte damals, dass es nur diesen einen Menschen in meinem Leben geben kann. Nur diesen einen oder nie einen anderen und genau deswegen habe ich zwei Jahre meines Lebens damit verbracht einem Kerl hinter her zu rennen, der mich in den Ruin getrieben hat.
Wegen dem ich die Klinge einmal kurz ansetzte und nie ganz aus der Hand legte.
Wegen dem ich mich immer mehr zurück gezogen habe.
Wegen dem ich vielen Freunden und Verwandten große Sorgen machte, als irgendwann einer meiner Vertrauenspersonen nicht mehr dicht gehalten hat.
Diese besagte Person war irgendwann der einzige, an dem ich mich fest halten wollte, dem ich alles anvertaute und dann erzählte er vor Sorge irgendwann mein größtes Geheimnis - im gesamten Freundeskreis. Dabei hatte er versprochen, es nicht zu tun, aber Versprechen schenke ich sowieso keinerlei Glauben mehr...hm, vielleicht sogar deswegen?
Jeder redete damals auf mich ein und fragte mich aus, was mit mir los ist, haben sich Sorgen gemacht und ließen mir keine Ruhe, es war die Hölle für mich, im Mittelpunkt stand ich ja sowieso nie gerne.
Mir kamen gestern beim Lesen oft die Tränen, wenn ich mich daran zurück erinnere, wie das damals alles war. Da hat man die schönste Zeit seines damaligen Lebens gehabt, kleine nächtliche Abenteuer und das Gefühl, doch noch seinen größten Wunsch erfüllt zu bekommen, muss schon verkraften, dass alles vorbei ist und bekommt dann auch noch von diesem Menschen gesagt, er hätte alles, komplett alles bereut....ich fühle mich jedes Mal verdammt leer, zerfetzt und beschissen, wenn man mir sagt, man würde alles bereuen, was man mit mir erlebt hat. Und den Einträgen im Tagebuch nach, habe ich das damals schon nicht verkraftet.
Ich war gerade einmal 15 Jahre alt, dachte meine Eltern würden mich hassen, konnte mit meiner Schwester nicht reden, weil ich nicht wollte, dass sie es weiter erzählt, mein damals bester Freund hat mich verraten und das erzählt, was nie jemand erfahren sollte und ich habe mich einfach nur allein gefühlt und innerlich schon tot...
Natürlich gibt es Lebensgeschichten die tausend Mal dramatischer sind und für andere wäre das ein Klacks gewesen, aber ich war und bin zu schwach und alles war zu viel für mich, damit kam ich einfach nicht klar. Diese Zeit hat mich mehr geprägt als ich dachte und viele Ängste bleiben mir bis heute erhalten, obwohl ich es nicht einmal will. Für mich waren diese Probleme damals ein unüberwindbarer Berg und ich dachte manches Mal, das kann nur ein einzelner Berg sein, wenn ich den überwunden habe, wird alles besser.
Aber das war nur der Anfang.
Mein Lebensweg ist ein verdammtes Hochgebirge.
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