Montag, 24. November 2014

Eine gedankliche Zeitreise.

Ich kann mich nicht erinnern, ob ich heute morgen gefrühstückt habe und kann mich nicht erinnern, welche Kleidung ich gestern getragen habe. Ich erinnere mich nicht, was ich in der Schule im letzten Jahr gelernt hatte und erinnere mich nicht an die Prüfungsthemen in meinen Abiturprüfungen. Ich erinnere mich nicht, wo blaue Flecken oder Narben her kommen, ich erinnere mich manchmal nicht an die Vorabende oder an Nachrichten, die in meinem Chatverlauf auftauchen.
Ich bin kein Alkoholiker....habe lediglich ein verdammt schlechtes Gedächtnis.

Ein Gedächtnis welches nur die schönsten und die schrecklichsten Momente behält  und sie immer wieder wie kleine Filmchen abspielt, als wären sie gerade eben erst geschehen.
Klitzekleine Dinge, so unwichtig für mein späteres Leben doch so unendlich kostbar, weil sie genau das sind, was ich wieder fühlen und erleben möchte.

Ich weiß noch, wie viel Angst ich in den ersten 10 Minuten bei dir hatte. Ich stieg aus dem Zug aus, habe dich irgendwo in der Masse gesucht und erkannte deine neongelbe Jacke, lief zu dir und weiß sogar noch, dass mir Fremde hinterher riefen, man dürfe rothaarigen Frauen nicht trauen.
Wir gingen zu dir und als wäre es selbstverständlich legte ich mich in dein Bett, weil die Zufahrt müde gemacht hat. Du hast dich zu mir gelegt, dich an mich gekuschelt, meinen linken Oberarm gestreichelt und ich musste mir Tränen verkneifen, weil ich Angst hatte, einen Fehler gemacht zu haben - schließlich war ich gerade erst 17 und über 500km weit von meiner Heimat entfernt, ich hatte dich erst einmal gesehen und kannte dich noch gar nicht so lange. Irgendwann habe ich mich umgedreht, du hast gelächelt und mich ganz sanft geküsst und in dieser Sekunde wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte.
Bei dir war ich so glücklich wie nie und ich konnte alles vergessen. Mir schwirren Lieder im Kopf herum, die wir gehört haben, ich erinnere mich an die Menschen, die wir getroffen haben und ich weiß noch, wo wir abends hin gegangen sind. Ich kann mich daran erinnern, was wir gegessen haben und daran, dass Robin uns Pizza mit brachte, obwohl wir gar keinen Hunger mehr hatten. Mir fällt wieder ein, wie ich mich im Bahnhof fast verlaufen hätte, als ich dich von der Arbeit abholen wollte.
Oder wie wir zusammen nach Hannover gefahren sind um uns mit Dennie und ihrem Kumpel zu treffen und eigentlich wollten wir an dem Abend noch feiern gehen und mich mit ihrem Ausweis in den Club schmuggeln, doch dann waren wir den ganzen Abend bei ihrem Kumpel und haben gezockt.
Die Besuche bei deinen Eltern waren schön, ich mochte die beiden gleich, als sie an deinem Geburtstag bei uns vorbei schauten. Und es mag verrückt klingen, doch selbst deine Eltern vermisse ich manchmal...natürlich nicht so sehr wie dich, aber das wird wohl nie übertroffen werden.
Doch die schönste Zeit war sowieso die, die ich mit dir allein verbringen durfte. Die vielen Filme die wir geschaut haben und bei denen ich doch meistens eingeschlafen bin...sehr zu deinem Bedauern, denn auch nach vier Mal "Fight Club", 3 Mal "Inglorious Basterds" und zwei Mal "Cabin in the woods",weiß ich nicht, worum es in den Filmen geht.
Die vielen Lieder, die du mir gezeigt hast, die vielen Bilder und die vielen Dinge, die du mir gesagt hast.
Ich erinnere mich an unsere Ausflüge durch die Stadt, die besonders nachts so schön waren...

All die schönen Erinnerungen sind trotzdem noch mit den Schmerzen verbunden, die mein Herz erleiden musste...drei Mal hast du mich im Stich gelassen, drei Mal wegen dem selben, scheußlichen Mädchen und ich habe dir drei Mal verziehen.
Im Sommer 2013 war es dann endgültig mit uns vorbei, du hast dich für sie entschieden, bist seitdem mit ihr zusammen...sie hat gewonnen und du hast nie gemerkt, welche Spiele sie gespielt hatte.
Sie hatte damals einen Freund, den hat sie betrogen. Du wusstest nur nichts davon,weil sie es niemandem erzählt hatte um weiterhin um dich kämpfen zu können.
Ich war ihre größte Konkurrentin, mich hat sie abgrundtief gehasst, dabei wollte ich dich ihr nicht wegnehmen, wie sie es immer auslegte.
Ich wollte dir die freie Entscheidung gelassen und habe sie im Endeffekt auch akzeptiert...unter wahnsinnig großen Schmerzen. Nie ging es mir schlechter, als in der Zeit, in der ich dachte, dich für immer verloren zu haben...ich habe kaum etwas gegessen, weil ich wusste, dass es mir schadet, kaum geschlafen, weil ich mir schaden wollte, habe zur Klinge gegriffen, weil ich nur durch Selbstverletzung zur Ruhe und aus dem Weinen heraus kam. Ich habe so sehr gelitten in dieser Zeit, und jeder sagte ich sei dumm, dass ich dir verzeihe.
Das ist jetzt 17 Monate her.
In dieser Zeit hast du dich vier Mal aus heiterem Himmel gemeldet, einfach so um zu wissen, wie es mir geht und es waren jedes Mal Phasen, in denen ich dich wahnsinnig vermisst habe und wieder mehrere Tage nur an dich dachte. Ansonsten passierte das in diesen 17 Monaten nicht, weder habe ich tagelang an dich gedacht, noch haben wir geschrieben.
Die ersten drei Male waren es nur wenige Tage Kontakt, danach hast du einfach nicht mehr geantwortet.
Das letzte Mal hast du dich am 17. Oktober gemeldet und seitdem schreibst du jeden Tag und sprichst von einem Wiedersehen. Du meidest es, über sie zu schreiben und das ist mir auch ganz recht so.
Doch was mich wundert ist...weiß sie, dass wir wieder scheiben? Würde sie es überhaupt erlauben?
Und was mich noch mehr zum Nachdenken bringt,ist,dass du sagtest, du wüsstest selbst nicht, warum du dich immer bei mir meldest, wenn es dir schlecht geht... es geht uns also zur selben Zeit schlecht...gibt's da doch so einen Schicksalsscheiß, an den ich zu glauben aufgehört habe?


In all den Monaten höre ich in meinem Kopf immer wieder einen Satz, den du mir eines morgens flüstertest, als du meine Wange gestreichelt hast...

"Ich kenne leider kein Wort, welches beschreibt, was ich momentan für dich fühle...ansonsten würd ich dir das gerne sagen..."

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